Wenn sich auf einem Flachdach regelmäßig Wasser sammelt, ist das nicht nur ein ästhetisches Problem. Länger stehendes Wasser erhöht die Belastung des Daches, beansprucht die Dachabdichtung und kann an einer bereits vorhandenen kleineren Beschädigung oder einem fehlerhaften Anschluss das Risiko des Feuchtigkeitseintritts erhöhen. Wiederkehrende Wasserlachen können außerdem auf ein Entwässerungs- oder Gefälleproblem hinweisen.
Ein Flachdach ist in Wirklichkeit nicht völlig waagerecht. Bei fachgerechter Ausführung fließt der Niederschlag dank des Gefälles zu den Dachabläufen und Abläufen. Wenn der Wasserweg jedoch irgendwo unterbrochen ist, kann sich das Wasser an einer tiefer gelegenen Stelle sammeln. Nach der in der Branche weit verbreiteten NRCA-Definition spricht man von stehendem Wasser, wenn bei günstigen Trocknungsbedingungen 48 Stunden nach dem Regen noch Wasser auf dem Dach steht.
Zu lang, nicht gelesen (TL;DR)
• Wenn Wasser längere Zeit auf einem Flachdach stehen bleibt, kann das auf einen Mangel an der Entwässerung oder an der Dachkonstruktion hindeuten.
• Stehendes Wasser erhöht die Belastung der Dachabdichtung und kann an empfindlichen Stellen das Risiko einer Undichtigkeit vergrößern.
• Bereits 1 cm Wasser auf 1 m² bedeutet eine zusätzliche Belastung von ungefähr 10 Litern beziehungsweise 10 kg.
• Wenn sich auf derselben Fläche regelmäßig Wasserlachen bilden, sollte auch die Ursache untersucht und nicht nur ein möglicher Abdichtungsmangel repariert werden.
Warum kann sich Wasser auf einem Flachdach sammeln?
Eine kleine Wasserlache unmittelbar nach dem Regen bedeutet für sich genommen noch nicht unbedingt einen Mangel. Anders sieht es aus, wenn der Niederschlag regelmäßig und länger an derselben Stelle stehen bleibt.
Dafür kann es mehrere Ursachen geben: einen verstopften oder nicht richtig funktionierenden Dachablauf, ein schlecht ausgeführtes Gefälle, eine örtliche Vertiefung oder eine im Laufe der Jahre entstandene Verformung. Bei einem sanierten Dach kann es auch vorkommen, dass Unebenheiten der früheren Dachkonstruktion nicht sachgerecht ausgeglichen wurden. Bei der Abdichtungstechnik für Flachdächer können daher bei Bedarf auch eine Korrektur des Gefälles und eine fachgerechte Ausführung der Dachabläufe Teil der Arbeiten sein, damit der Niederschlag nicht dauerhaft auf der Dachfläche bleibt.
Was geschieht, wenn Wasser längere Zeit auf einem Flachdach steht?
Es entsteht eine unnötige Zusatzbelastung
Das Gewicht des Wassers summiert sich schnell. Eine 1 cm tiefe Wasserschicht auf 1 m² entspricht ungefähr 10 Litern Wasser beziehungsweise einer zusätzlichen Belastung von 10 kg. Steht beispielsweise Wasser dieser Tiefe auf einer Fläche von 20 m², sind das bereits etwa 200 kg. Die anhaltende Wasserbelastung kann in bestimmten Fällen eine vorhandene Durchbiegung weiter verstärken, wodurch sich noch mehr Wasser sammeln kann.
Mängel an der Abdichtung können schneller zum Problem werden
Eine fachgerecht ausgeführte Dachabdichtung soll selbstverständlich dem Niederschlag standhalten. Eine dauerhaft mit Wasser bedeckte Fläche wird jedoch ganz anders beansprucht als eine Fläche, von der das Regenwasser innerhalb kurzer Zeit abfließt. Besonders wichtig sind die Nähte, die Bereiche um die Dachabläufe, Dachdurchdringungen, Anschlüsse an Attiken und frühere Reparaturstellen. Wenn an diesen Stellen bereits eine kleinere Beschädigung oder Schwachstelle vorhanden ist, kann das länger stehende Wasser das Risiko einer Undichtigkeit erhöhen.
Stehendes Wasser ist oft ein Symptom und nicht der eigentliche Mangel
Das ist einer der wichtigsten Aspekte. Wenn Sie eine Wasserlache auf dem Dach sehen, löst das Entfernen des Wassers allein noch nicht das Problem, durch das es sich gesammelt hat. Ist beispielsweise ein verstopfter Dachablauf die Ursache, kann eine Reinigung ausreichen. Ist das Gefälle hingegen unzureichend oder ein Dachabschnitt abgesackt, kann eine andere Maßnahme erforderlich sein. Deshalb kann derselbe Anblick – Wasser auf einem Flachdach – auf mehrere unterschiedliche technische Probleme hindeuten.
Praktischer Leitfaden: Was sollten Sie nach dem Regen prüfen?
Nach stärkerem Regen können einige einfache Beobachtungen viel über die Entwässerung eines Flachdachs verraten.
- Prüfen Sie, wo das Wasser stehen bleibt. Eine einzelne kleine Wasserlache bedeutet nicht dasselbe wie eine große Wasserfläche, die regelmäßig wiederkehrt.
- Prüfen Sie dieselbe Stelle später erneut. Wenn bei günstiger Witterung auch nach 48 Stunden noch eine erhebliche Wassermenge steht, kann es bereits sinnvoll sein, die Ursache zu ermitteln.
- Beobachten Sie den Bereich um die Dachabläufe. Laub, Ablagerungen oder andere Verschmutzungen können den Wasserabfluss behindern.
- Achten Sie auf weitere Anzeichen. Feuchte Stellen im obersten Geschoss, Ablösungen, Blasenbildung oder Veränderungen im Bereich früherer Reparaturen können darauf hindeuten, dass das Problem nicht nur die Entwässerung betrifft.
Schon der Zugang zum Dach kann jedoch mit Unfallgefahr verbunden sein. Die Kontrolle eines Bereichs, der nur auf unsichere Weise erreichbar ist, sollten Sie besser einem Fachmann überlassen.
Wann sollten Sie das Problem ernster nehmen?
Eine Zustandsprüfung vor Ort ist besonders dann ratsam, wenn sich das Wasser nach jedem stärkeren Regen an derselben Stelle sammelt, die Wasserlache mehrere Tage bleibt, eine immer größere Fläche betrifft oder bereits ein sichtbares Anzeichen für einen Wasserschaden im Innenraum aufgetreten ist. Ziel der Zustandsprüfung ist dann nicht nur festzustellen, dass Wasser auf dem Dach steht. Es muss auch geklärt werden, warum es nicht richtig zu den Dachabläufen gelangt und in welchem Zustand sich die betroffene Dachabdichtung befindet.
Zusammengefasst: Stehendes Wasser ist nicht nur ein ästhetisches Problem
Wasser, das regelmäßig auf einem Flachdach stehen bleibt, kann die einzelnen Dachschichten langfristig stärker belasten und bei vorhandenen Mängeln das Risiko einer Undichtigkeit erhöhen.
Wenn sich das Wasser immer wieder auf derselben Fläche sammelt, sollte die Ursache ermittelt werden. So lässt sich nicht nur das Symptom behandeln, sondern auch feststellen, ob die Entwässerung, das Gefälle oder die Abdichtung repariert werden muss.
Häufig gestellte Fragen
Ist es normal, wenn nach Regen Wasser auf dem Flachdach bleibt?
Unmittelbar nach dem Regen kann vorübergehend eine kleinere Wassermenge auf dem Dach stehen bleiben. In der Fachpraxis spricht man von stehendem Wasser, wenn es bei günstigen Trocknungsbedingungen auch nach 48 Stunden noch vorhanden ist.
Kann ein Flachdach undicht werden, weil Wasser darauf steht?
Stehendes Wasser bedeutet für sich genommen nicht, dass das Dach sicher undicht ist. Wenn die Dachabdichtung jedoch beschädigt ist, ein fehlerhafter Anschluss oder eine andere Schwachstelle vorliegt, kann die länger anhaltende Wasserbelastung das Risiko einer Undichtigkeit erhöhen.
Warum sammelt sich das Wasser immer an derselben Stelle?
Die Ursache kann eine örtliche Vertiefung, ein unzureichendes Gefälle, eine bauliche Verformung oder ein Entwässerungsmangel sein. Die genaue Ursache lässt sich durch eine gemeinsame Prüfung des Daches und der Dachabläufe feststellen.
Lässt sich das Problem mit stehendem Wasser lösen, ohne das gesamte Flachdach abzureißen?
In bestimmten Fällen ja, doch die passende Lösung hängt immer von der Ursache und dem Zustand des vorhandenen Dachaufbaus ab. Es kann genügen, die Entwässerung, die Dachabläufe oder das Gefälle zu korrigieren; in anderen Fällen kann auch eine Erneuerung der Abdichtung erforderlich sein.
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